Wenn virtuelle Nähe sich als Illusion entpuppt
Und dann war da noch dieser Altenpfleger aus Deutschland. Ich glaube, wir haben uns über Twitter kennengelernt – vielleicht war es auch Google+, spielt keine Rolle mehr. Wir hatten Schnittmengen: ähnliche Gedanken, ähnliche Hobbys. Der Austausch war spannend, irgendwie auf Augenhöhe. Man schrieb sich, war sich sympathisch – so, wie das eben online oft passiert.
Aber irgendwann schlief es ein. Die Plattform war nicht mehr „in“, die Gespräche weniger. Keine grosse Sache.
Dann kam 2018. Ich stand am Anfang einer schwierigen Zeit, gesundheitlich. Diagnose noch unklar, Sorgen gross. Und ich brauchte jemanden zum Reden. Keine Familie, keinen engen Freund – ich wollte eine neutrale Person. Jemand, der mich nicht kennt und einfach zuhört. Da fiel mir u. a. dieser Kontakt wieder ein.
Es hat lange gedauert, bis wir endlich mal telefoniert haben. Und sofort war klar: Das ist nicht der Mensch, den ich online kennengelernt hatte. Die Chemie passte nicht. Es war distanziert, steif, irgendwie… unpersönlich. Nichts von dem, was ich erwartet oder vielleicht gehofft hatte.
Und als nach dem Gespräch auch keinerlei Interesse mehr von ihm kam, wusste ich: Da ist nichts. Kein Kontakt, den es lohnt, weiter zu führen. Kein Vorwurf, kein Groll. Einfach diese leise Erkenntnis: Dein Wunsch, sei mir Befehl. Ich habe den Kontakt losgelassen.
Fazit: Nicht jede Freundschaft ist für immer – und das ist okay
Manchmal verlaufen Kontakte einfach im Sande, ohne Drama, ohne klare Trennung. Manchmal trennt uns das Leben: unterschiedliche Interessen, Missverständnisse, Erwartungen, die unausgesprochen bleiben. Oder wir merken, dass eine Verbindung nur auf einer bestimmten Ebene funktioniert hat – und außerhalb davon nichts mehr trägt.
Früher hat mich das oft geärgert. Ich habe nicht verstanden, warum Menschen sich einfach abwenden, ohne es zu erklären. Warum etwas, das einmal selbstverständlich war, plötzlich keinen Platz mehr im Leben des anderen hat.
Heute sehe ich es anders: Nicht jede Begegnung muss ein Leben lang halten. Manche Menschen begleiten uns nur ein Stück. Und das ist in Ordnung. Wichtig ist, dass wir den Moment wertschätzen – ohne zwanghaft festzuhalten.